Tobias Siebel

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Essay

Aus der Stille zur Strategie

Strategie ist die Kunst, das Rauschen vom Säuseln zu unterscheiden.

Beschäftigt zu sein, fühlt sich nach Bedeutung an. Meist ist es nur Rauschen.

Wir verwechseln Aktivität mit Wirkung. Wer ständig antwortet, hat keine Zeit zu fragen. Wer ständig hektisch Brände löscht, entzündet selten ein Feuer.

Zu wenige CEOs nehmen sich heute echte Auszeiten. Mal wirklich raus aus dem Rad, das die ganze Zeit rauscht. Hektik wird gern als Rechtfertigung für die Position genutzt, aber sie bringt keine Frucht.

Wer immer im Lärm ist, hört die Nuancen nicht. Aus der Polyphonie wird Lärm, der im Ohr klumpt. Die feinen Zwischentöne, die ein Unternehmen, ein Team, eine Marktbewegung wirklich erklären, verschwinden in der Lautstärke des Tagesgeschäfts.

Es braucht eine Rhythmik aus Rauschen und Reflexion. Aus Sturm und Stille.

So wie bei Elia. Ein Prophet am Ende seiner Kräfte. Er flieht in die Wüste, legt sich unter einen Wacholderstrauch und will nur noch sterben. Gott schickt ihn auf einen Berg.

Dort zieht ein gewaltiger Sturm vorüber, der Felsen zerreißt. Gott ist nicht im Sturm. Dann kommt ein Erdbeben. Gott ist nicht im Erdbeben. Dann ein Feuer. Gott ist nicht im Feuer. Und dann, in der Stille danach, ein leises, sanftes Säuseln. Dort spricht Gott. Elia findet neue Klarheit.

In unserer Wirtschaft ist es genau umgekehrt. Wir suchen das Wesentliche im Sturm der Termine, im Beben der Krisen, im Feuer der Quartalsberichte. Und wir wundern uns, dass nichts mehr trägt.

Aus der Stille zur Strategie. Aus der Ruhe in die Kraft. Bevor das entscheidende Wort gesprochen wird, kommt die Stille. Vor jeder echten Wendung steht ein Rückzug.

Strategie ist die Kunst, das Rauschen vom Säuseln zu unterscheiden.