Essay
Ich habe es nicht übers Herz gebracht, abzusagen
Über Entscheidungen, die tiefer liegen als jeder Business Case
Vor der dritten TALER & TALAR Konferenz war ich kurz davor aufzuhören.
Die ersten beiden Ausgaben waren kraftvoll. Die Menschen, die da waren, waren bewegt. Tief bewegt. Aber es waren zu wenige.
Wirtschaftlich ergab es keinen Sinn. Die Zahlen sagten: Lass es. Auch für die dritte Konferenz waren die Zusagen noch zu dünn. Die Ratgeber gespalten: Lass es sein, zu viel Risiko. Lass es sein, zu viel Aufwand für jemanden allein. Lass es sein, das Kloster ist eh zu weit weg von aller Infrastruktur. Auf der anderen Seite bei vielen, die da waren: eine starke Wirkung und Begeisterung.
Und ich rang im Zwiegefühl, im Zwischenraum von Erfahrung und Erkenntnis, von Angst und Mut, von Schwäche und Stärke. Keine schöne Zeit, aber wichtig. Am Ende blieb eigentlich nur ein Spüren übrig: Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, abzusagen. That’s it.
Manchmal treffen wir Entscheidungen, die sich mit keiner Kennzahl rechtfertigen lassen. Die tiefer liegen als jeder Business Case.
Sie liegen in den angreifbaren Sphären der Berufung. Und Berufung lässt sich schlecht in Excel abbilden oder in Claude ergründen.
Die vierte Konferenz war sechs Wochen vorher ausverkauft. Die Preise wurden auch dank feiner Ratgeber erhöht. Für die fünfte im September gibt es noch zwölf Tickets. Aber es bleibt ein schmaler Weg mit Höhen und Tiefen, mit Zerrissenheit und Momenten der Klarheit.
Gleichzeitig glaube ich: Man darf Dinge auch beenden. Etwas kann wirkungsvoll gewesen sein und trotzdem enden. Kairos ist nicht beliebig dehnbar. Der richtige Zeitpunkt hat einen Anfang und ein Ende. Das zu akzeptieren, gehört zur Reife.
Noch ist nicht der Zeitpunkt aufzuhören.